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Tag 1: Sonntag, 13.07.2008

Im 27. Stock aufwachen - im Marriott  Pinnacle Hotel in Downtown Vancouver. Die 180 Grad Fensterfront - ein Blick wie auf einer Kinoleinwand. Strahlend blauer Himmel, dunkelblaues, türkisfarbenes Wasser, schneebedeckte Berge am Horizont, Yachten und startende Wasserflugzeuge, die die Fantasie beflügeln. Aufbruch zu entfernten Zielen kleiner versteckter Inselchen und Badebuchten, die man nur aus der Luft erreicht.




Wir sind mit unserem Fotografen Alex Stingl zum Frühstück verabredet. Alex ist bereits seit sechs Uhr auf den Beinen - Jetlag - und muntert sich schon mit der zweiten Tasse Kaffee auf, im Starbucks Coffee an der Ecke Thunder-Hasting-Street.
Ein Blick über die Straße verheißt das „Moonpennies" und ein kräftiges Frühstück mit Rührei, Hash Brown Potatoes(eine Art Kartoffel-Rösti), Tomaten, dunklem Toast und einer großen Tasse schwarzem Kaffee. Gestärkt fahre ich zur Probe in den deutschen Alpenclub am Victoria Drive 4875.

Unsere Konzertreise mit dem ersten Kölner Akkordeon-Orchester durch Kanada geht heute Nachmittag mit dem letzten Konzert in Vancouver im deutschen Alpenclub zu Ende. Sechs Konzerte haben wir gemeinsam in Kirchen und deutschen Clubs von Calgary, Edmonton, Lethbridge, Kimberley, Kelowna und Vancouver gegeben.
In 14 Tagen sind wir 3000km durch Westkanada gereist: von den Rocky Mountains bis zum Pazifischen Ozean nach Vancouver. Überall wurden wir herzlich aufgenommen. In Lethbridge war der Bürgermeister der Stadt so angetan, dass er begeistert aufsprang und mitdirigierte.
Ein 36 Mann starkes Orchester aus Deutschland, das Klassische Musik, Swing und Tanzmusik spielt ist etwas ganz besonderes.

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Tag 2: Montag, 14.07.2008

Heute nehmen wir das Frühstück im Showcase des Marriott Hotel Pinnacle ein. Das beste Frühstück in der ganzen Stadt. Kaffee soviel man will, ein einladendes kanadisches Frühstücksbuffet mit French Toast, Pancakes mit Ahornsirup und Früchten, Lachs mit frischen Tomaten, Zwiebeln und Kapern - Köstlich - . Dazu zuvorkommendes Personal, freundlich und hilfsbereit. Wir fühlen uns wohl und werden dem Marriott treu bleiben.




Das erste Akkordeon Orchester verabschieden wird im Stanley Park mit vielen Fotos vor der Skyline von Vancouver am Halleluja Paint. Viele Umarmungen, verbunden mit den besten Wünschen für einen sicheren und guten Heimflug zurück nach Deutschland und dem Versprechen sich bald wieder zu sehen.
Der Stanley Park - eine grüne Oase, ein Paradies in Vancouver! Von der Georgia-Street fährt man über eine Brücke und ist in einer anderen Welt, die man erwandern oder mit dem Fahrrad durchkreuzen kann. Oder man steigt in den Trolley-Bus, der einen von Station zu Station bringt, vom Broton Point zum Prospect Point, vom Lighthouse de Stanley Drive entlang zum Siwash Rock, den Third Beach entlang zum Ferguson Point. Hier steigen wir aus. Der Blickt ist unverstellt aufs offene Meer hinaus. Auf der Anhöhe setzen wir uns auf eine Bank und genießen die Sonne und die Ruhe. Vor neun Jahren haben wir hier schon einmal gesessen, im Sonnenschein. Eine leichte Meeresbrise bringt kühlende Luft und wir atmen die Weite des Horizonts ein.

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Tag 3: Dienstag, 15.07.2008

Heute lassen wir das Auto stehen und laufen zu Fuß nach Gastown. Von Downtown ein entspannter Spaziergang. Unser Weg führt uns durch die Hasting-Street, die Cordova-Street und am „Lookout" vorbei. Von oben liegt uns die Stadt zu Füßen. Ein 360-Grad Schwenk mit der Kamera: im Norden unter uns der Canada-Place - er wurde 1986 zur Weltausstellung gebaut - ein futuristisches Kongresszentrum mit weißen Segeln als Wahrzeichen und gleich daneben der Cruise Ship Terminal, wo die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen.


Weiter gen Osten liegt der Hafen von Vancouver. Weithin leuchten die orangefarbenen und roten Container, die darauf warten verladen und verschifft zu werden.

Man schaut weiter auf die Pacific Central Rail Station mit ihrem gewaltigen Schienennetz und den kilometerlangen Eisenbahnzügen. So ein Zug wird manchmal von vier Loks gezogen, wenn er durch die Rocky Mountains fährt. Über Chinatown mit dem chinesischen Torbogen schauen wir noch rüber nach Little Italy. Gen Süden leuchtet die silberne Kugel von Science World, ein Überbleibsel der Weltausstellung Expo aus dem Jahr 1986.

Die runde Plane vom B.C. Plaza Stadium von Yale Town geht auf wie ein Apple Pie vor der grünen Wiese des Seawalls und dem Plaza of Nations. Die Granville Bridge erkennen wir, die auf das Granville Eiland führt.
Und jetzt unter uns die Häuserschluchten des Bankenviertels von Downtown Vancouver - Klein-Manhattan. Am Horizont die schneebedeckten Berge der Coast Moutains. Der Außenglasfahrstuhl rauscht mit uns auf die Erde zurück - eine einmalige Sicht noch mal im Schnelldurchlauf!
Bei Nacht möchte ich noch einmal hierher kommen und die Stadt im Lichtermeer sehen.

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Tag 4: Mittwoch, 16.07.2008

Heute fahren wir nach Whistler in die Berge. Wir wollen den berühmten internationalen Skiort besuchen. Der Weg dorthin mit dem Auto, immer die „99"entlang, ist zugepflastert mit Baustellen. Wir sind Stunden unterwegs. Natürlich, es wird gebaut, verbreitert, verschönert für die Olympischen Winterspiele 2010. Raus aus der Stadt. Die Ampelschaltung irritiert uns oft. Wenn rot ist, dann halten wir auch vor rot - in Deutschland! Hier hält man vor der zu überque- renden Straße. Der Gegenverkehr von rechts und links fährt vor der roten Ampel vorbei. „Vorsicht - Stopp, Alex!" Beinahe wären wir auf der Fahrbahn zum Halten gekommen. Ganz schön verwirrend.

Unser erster Halt ist Lighthouse Park. Wir folgen dem Schild „View Point", laufen durch einen Wald, erklimmen eine Felsenanhöhe und sehen das Lighthouse in unmittelbarer Nähe vor uns. Wir haben einen herrlichen Blick über das Meer, über den Burrard Inlet. Im Lighthouse Park treffen wir eine Gruppe Girl-Guides beim Picknick. 

Im Jahre 1792 segelte Captain George Vancouver an dieser Felsenküste vorbei und benannte diesen Park nach einem Freund: Point Atkinson. 1874 wurde der Leuchtturm erbaut. Während des 2. Weltkrieges war der Leuchtturm eine Verteidigungsstation im Burrard Inlet, vor der Bucht Vancouvers. Es wurden kleine Holzhäuser errichtet als
Offiziersmessen, Speiseräume, Wachstationen. Noch heute stehen die Holzbaracken und werden als Versammlungsräume für Naturschützer genutzt. Das Haupthaus trägt den Namen Skiwitsut, nach der ersten indianischen Familie, die um 1800 hier lebte.

Die „99" führt uns weiter zu den Shannon Falls, ein gewaltiger Wasserfall, der tosend in die Tiefe stürzt und in einen Gebirgsfluss mündet. Wir können uns kaum losreißen vom Anblick dieser gewaltigen Wassermassen. Schnell sind Schuhe und Strümpfe ausgezogen. Wir klettern über die Steine und halten die Füße ins erfrischende Gebirgswasser. Natürlich muss alles im Bilde und mit der Kamera festgehalten werden.
Nach dem erfrischenden Bad kommt der Hunger. In Squamish halten wir nach einem Supermarkt Ausschau. Wir wollen einkaufen für ein Picknick in dieser schönen Landschaft. Wir besorgen Baguette, Salami, Käse(der sich bei der Abrechnung als sehr teuer  herausstellt, da er 100g-weise ausgewiesen ist), Dipp, Weintrauben, Tomaten und Wasser. Bier bekommen wir im Liqueur-Store und dazu eine braune Tüte. In der Öffentlichkeit darf man keinen Alkohol trinken, es sei denn, man packt eine braune Tüte drum herum. Jeder weiß, was in der braunen Tüte ist, aber keiner hat was gesehen - eine schweyersche Lösung!

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Tag 5: Donnerstag 17.07.2008

Nach dem ausführlichen Frühstück im Marriott Pinnacle Hotel machen wir uns auf den Weg zur Supension Bridge im Norden von Vancouver. Auf dem Weg merke ich, dass meine Sonnenbrille defekt ist. Wir wollen das schnell beheben und machen einen Schlenker in die Polson-Street zu einem Optiker. Er wirft einen Blick auf die Brille - 4 Dollar - es fehlt ein kleines Schräubchen. Im gleichen Zug präsentiert mir der junge Japaner eine Designerbrille für 200 Dollar. Nein Danke! Wir versuchen unser Glück bei einem Optiker in einer Nebenstraße. Ein junger Inder inspiziert die Sonnenbrille.


Er lächelt freundlich und holt eine kleine Kiste hervor, mit einer Vielzahl Schrauben in verschiedenen Größen. Mit Kennerblick fischt er das passende Schräubchen heraus, setzt es ein und der Schaden ist behoben: 2 Dollar - Danke sehr!
Allerdings hält die Freude nicht lange. Nach dreimaligem Aufsetzen und Zusammenklappen ist die Brille bald wieder in ihrem Ausgangszustand. Das linke Glas hängt auf Halbmast über dem linken Auge. Da muss dann wohl doch eine neue Brille her.
Im alten Bahnhof - der Central Station - beschaffen wir eine „Notbrille". Der Bahnhof ist blitzsauber und fast menschenleer. Ein alter Chinese in weißem Anzug und mit sommerlicher Schiebermütze sitzt auf einer Holzbank und liest die Zeitung. Ein französisch sprechendes Pärchen erkundigt sich nach einer Zugverbindung. Am Schalter gibt eine nicht mehr ganz junge Frau geduldig Auskunft. Es ist auffällig, dass bei einem Dienstleistungsgewerbe viele ältere Frauen beschäftig sind, meist mütterlich wirkende Frauen. Man fühlt sich ausgesprochen gut aufgehoben mit diesem zuverlässig wirkenden Frauentyp.

In meiner Fantasie füllt sich der Bahnhof mit Menschen und ich stelle mir vor, wir hier im Jahre 1887 der erste transkanadische Personenzug einlief. Heute warten auf den Gleisen die silbernen Aluminium-Waggons mit den leuchtend weißen Buchstaben CANADA, um die Fahrgäste in die Rocky Mountains zu bringen, nach Banff, Lake Louise, Jasper oder bis nach Kampoos, Saskatoon, Winnipeg und weiter quer durch das Land nach Toronto.
Vor neun Jahren habe ich einmal mit dem „Mountaineer" die Reise durch die Rocky Mountains gemacht, von Calgary bis Vancouver. Ein unvergessliches Erlebnis.

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Tag 6: Freitag, 18. 07. 2008

Ein letztes Rundumfrühstück im Marrott Schowcase mit unserem Fotografen Alexander Stingl. Heute fliegt er nach Deutschland zurück. Wir verabschieden uns im Stanley Park beim Aquarium. Die Delfin-Show wollen wir nicht verpassen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn sichern wir uns einen Stehplatz am Bassin.
Geschäftiges Hin- und Herlaufen mit Eimerchen, Bällen, Pfeifen und dann beginnt die Show. Unter dem Jubel und Applaus der Zuschauer springen die Delfine aus dem Wasser synchron durch die Luft. Wunderbar, was Tiere alles lernen können.


Dann schlendern wir zu den Seelöwen, den Seerobben und Seeottern. Wir erfreuen uns an dem possierlichen Spiel der Seeotter, unermüdlich ziehen sie ihre Bahnen an uns vorüber und balgen sich im Wasser. Bei den weißen Belugawalen ist die Schlange der Anstehenden unüberschaubar lang. Wir trinken einen Kaffee, doch die Schlange wir nicht kürzer. Und so tauchen wir in die Tropenzone und den Amazonas-Regenwald ein. 
Schwüle Luft schlägt uns entgegen. Vogelgezwitscher und flatternde, bunte Schmetterlinge empfangen uns im Dschungelgebüsch. In sicherem Abstand hinter Scheiben können wir Krokodile und Haie beobachten. Ein orangefarbener Ibis steht einbeinig auf einem Felsvorsprung. Ob der echt ist??? Unwillkürlich rücke ich etwas näher und kann ein Zeichen im Augenlied entdecken.

Die Street of Georgia gibt den Blick frei auf Riesen-Pazifik-Oktopusse(Tintenfische), Wolfaale, Seesterne und Felsenfische. Die Kinder drücken sich die Nasen platt und können es gar nicht glauben, dass es soooo große Fische gibt, die man so nah sehen kann. Die ganze Unterwasserwelt des Pazifischen Ozeans mit all ihrer Vielfalt tut sich vor unseren Augen auf. Stundenlang könnten wir hier stehen, faszinierend! An Glasvitrinen entlang, mit den ungewöhnlichsten Tieren des Meeres, fällt es uns schwer diese fantastische Unterwasserwelt zu verlassen.

Draußen im hellen Sonnenschein fühlen wir uns plötzlich nach Paris versetzt, auf den Montmartre. Auf dem Vorplatz des Aquariums sitzen Maler, meistens Frauen, auf kleinen Stühlchen, die Leinwand vor sich, und portraitieren Kinder und Touristen aus aller Welt. Die kleinen Japanerinnen, rosa Schleifchen im Haar, versucht die Malerin mit Stofftierchen zum Lachen zu bringen.  Ein junger Mann, er mag aus Osteuropa kommen, schaut streng und ernst. Der alte Herr mit dem Strohhut schmunzelt weise und eine englische Lady zupft nervös an ihren Spitzenhandschuhen.

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Marie-Luise Marjan in British Columbia

Marie-Luise Marjan steht seit 23 Jahren erfolgreich als Helga Beimer vor den Kameras des Dauerbrenners "Lindenstraße", im Sommer 2008 reiste sie mit ihrem Mann nach Kanada - und war auch auf eigenen Spuren unterwegs, da ihre Mutter 1956 nach Kanada auswanderte.
Im Fokus ihrer Reise standen Konzertauftritte mit dem Akkordeon, natürlich ließ sie es sich nicht nehmen, auch ein paar Tage Urlaub zu machen und die Schönheiten der Westküste zu entdecken.

Ihr Reisetagebuch stellt sie dem Projekt "Generation Kanada" mit wunderschönen Bildern bestückt zur Verfügung und berichtet darin über ihren erlebnisreichen Aufenthalt and der kanadischen Westküste. Gute Unterhaltung!


Mehr Informationen:
de.wikipedia.org/wiki/Marie-Luise_Marjan
www.lindenstrasse.de


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